26. April 2007

Hasse Deinen Arzt 2 (Hate your doctor 2)

Wie versprochen, hier ein paar mehr Informationen über meinen doch schon denkwürdigen Klinikaufenthalt in Jena.
Den Neubau der Uniklinik findet man draußen in Lobeda - d.h. einen Teil des Neubaus, denn es wird fleißig weitergebaut, bis dann 2014 alle 26 (!!!) Kliniken außer der Psychiatrie in dem Komplex vereint sind. Doch schon jetzt gerät der Klotz an seine Grenzen: Kommen jüngere Patienten noch so einigermaßen klar mit Ort und Weg, so ist das für die Alten fast unmöglich. Total unübersichtlich, Stations- und Etagennummern aus dem Baukasten, farbliche Markierungen, die kaum hilfreich sind - ein kleines / großes Chaos.
Doch die Hauptgefahr lauert auf den Stationen: chronisch überschäftigte Schwestern und Pfleger, wobei ein nicht kleiner Teil von ihnen auch noch chronisch lustlos ans Werk gehen. Der Patient steht im Mittelpunkt? Weit gefehlt, denn da würde er nur der wirklich wichtigen Arbeit (scheinbar komplett am Computer zu erledigen) im Wege stehen. Zum Glück gibt es Ausnahmen, sonst wäre man als Patient total aufgeschmissen.
Da das Klinikum zur Uni gehört, werden dort Ärzte ausgebildet. Und was müssen die Jung-Mediziner als erstes lernen? Wie man ein möglichst überhebliches und abweisendes Verhalten an den Tag legt. Grundlegende Sitten und Gebräuche, der schon der Anstand gebietet, werden durch hochnäsiges, besserwisserisches Getue ersetzt. Wer einen Raum betritt, in dem Pflegebdeürftige / Patienten liegen, sollte wohl gerade diesen auf Heilung hoffenden Menschen einen guten Tag wünschen können. Schon diese Hürde wird hoffnungslos gerissen. Und das könnte noch eine Weile so fortgeführt werden.
Wer beschäftigt sich denn intensiver und länger mit seiner Krankheit, der Arzt oder der Patient? Sollte man dann als Arzt (egal ob Jung- oder Alt-Mediziner) nicht gerade mal auf den Patienten hören, dessen Krankheit schon am Morgen sagt: "Hallo, da bin ich schon!", und der sich zwangsläufig mit ihr auseinandersetzen muss?! Doch das geht wohl nicht, hat man als Arzt doch studiert und die sicherlich besser bezahlte Meinung zu dem Thema.
Gut, es gibt auch Positives zu berichten: Die technische Ausstattung der Klinik is wohl mehr als auf dem aktuellen Stand. Doch ersetzt gerade im medizinischen und betreuerischen Bereich Technik keine menschliche Zuwendung, und die neuesten Apparate können eben das Zuhören (das Einmaleins im Verhältnis Patient-Arzt!!) nicht übernehmen.
Es ist schon Einiges im Argen im Medizinsektor - hoffen wir, dass es nicht noch schlimmer wird!

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