29. Juni 2009

Enttäuscht!

Man stelle sich einmal folgende Situation vor:

Das Kind einer befreundeten Familie hat Geburtstag, und man ist zur Feier eingeladen. Natürlich besorgt man ein schönes Geschenk, das vielleicht sogar nicht ganz billig ist. Man ist sich aber sicher, dass es dem Kind gut gefallen wird. Nach dem Überreichen des Geschenkes beginnt das Kind damit zu spielen - und man freut sich gemeinsam mit den Eltern des Kindes darüber.

Doch dann fängt das Kind an, und montiert Einzelteile des Geschenkes ab und setzt zu intensiven Materialtests an. Erschrocken schaut man - wegen des doch hohen Preises des Geschenks - auf die Eltern, die dem Treiben Einhalten gebieten könnten. Diese aber sehen geflissentlich über das Tun des Kindes hinweg. Sogar als der Sprössling anfängt, schwere Teile des Geschenkes als Wurfgeschosse zu verwenden und dabei sogar Beschädigungen im nachbarlichen Garten anrichtet, kommt keine Reaktion von den Eltern.

Und nun die Frage: wären Sie darüber erfreut?

Anfang Juni haben der Förderverein "Kinderlachen" e.V. und die Gemeinde Niedersachswerfen einen zum größten Teil durch private Spenden finanzierten Kinderspielplatz übergeben. Auch hier war die Freude groß, der Spielplatz wurde gut angenommen. Doch schon kurze Zeit später begannen die ersten Kinder, den (zukünftigen) Kletterberg förmlich umzugraben und mit den ausgegrabenen Steinen Wurfspiele zu veranstalten.

Und die Eltern? Die betrachteten das Geschehen relativ uninteressiert oder gar nicht. Einschreiten und die Kinder zur Ordnung rufen? Fehlanzeige. Stattdessen wurde den vereinzelt mitgebrachten Hunden mehr Aufmerksamkeit gewidmet, damit diese ihr Geschäft auf dem Gelände des Spielplatzes (!!) erledigen konnten. Wohlgemerkt dort, wo auch ihre Kinder spielen. Das Nutzen von Abfalleimern ist für die Wenigsten ein Muss, und schon gar nicht für die Raucher, die ihre abgebrannten Kippen ebenfalls sorglos auf den Boden fallen lassen. Rauchen auf dem Spielplatz - sowieso eine gute Kombination.

Mittlerweile kam es schon zu ersten Sachbeschädigungen, weil fliegende Steine den Weg bis auf den naheliegenden Parkplatz gefunden haben und dort Beulen und geplatzte Frontscheiben verursachten. Aber scheinbar wird auch die Zerstörungswut der "Kleinen" durch ihre Erziehungsberechtigten toleriert. Wer den Schaden schließlich reguliert, ist nicht ihr Problem.

Wie fühlen sich denn jetzt die Schenker, wenn die Beschenkten und ihre Eltern so sorglos mit dem fast 20.000,- € teuren Spielplatz umgehen? Verspüren sie noch Freude, denken sie noch immer, sie haben das Richtige getan? Werden sie - bei nächster Gelegenheit - wieder dabei sein, um einer guten Sache den Weg zu bereiten?

Auch wenn der Begriff "Freiheit" für den Einzelnen für die Wahrung seiner Rechte steht, so bedeutet er doch auch eine Verpflichtung, die Rechte der Anderen zu respektieren. Wir leben in einer Gesellschaft, und so wie ich respektiert werden möchte, habe ich auch andere zu respektieren. Warum geht man dann nicht mit den Dingen, die der Allgemeinheit gehören ebenso um wie mit dem eigenen Hab und Gut? Ist diese Selbstbedienungsmentalität nicht das, was wir sonst so verurteilen?

"Verweile hier so ungefähr, als ob's Dein eigner Garten wär!"

Dieser Spruch, der die Besucher des Rosengartens Nordhausen seit den sechziger Jahren begrüßt hat, ist heute genauso aktuell wie damals. Im Namen aller Spender, aller Helfer, im Namen der Kinder rufe ich deshalb alle Eltern in Niedersachswerfen auf: Sorgt dafür, dass der Spielplatz ein Platz der Freude ist, auf dem unsere Kinder gerne und sicher und in einem sauberen Umfeld spielen können!

1 Kommentar:

Andreas hat gesagt…

Same here! Sobald es nicht mehr das Eigentum des Individiums ist, ist es dem einzelnen egal. Gehört ja nicht mir, habe ich ja nicht bezahlt. Ich habe schon mal den Leuten gesagt, dass ihnen versehentlich die Kippe runter gefallen ist oder sie wahrscheinlich noch nicht bemerkt haben, dass ihr Hund in den Sandkasten gekackt hat. Nette Reaktionen ...