18. August 2009

Diktatur der Langsamkeit

Am Sonntag freute ich mich den ganzen Tag auf 10 Sekunden Fernsehprogramm. Denn da sollten die wirklich schnellsten Männer der Welt zu sehen sein. Und wenn es auch nur knapp 10 Sekunden waren, so war es doch eine schöne Abwechslung.

Hier im Reha-Zentrum hat nämlich kaum etwas mit Schnelligkeit zu tun. Selbst bei der Krankengymnastik wird man LANGSAM an seine Grenzen geführt. Auf der Treppe überholt man sich nicht, in den Gängen nimmt man - schon aus Rücksicht auf die Mitinsassen - nicht die Beine in die Hand (im übertragenen Sinn). Und so langsam, aber dafür sicher, bekommt man den Hospitalismus der anderen Patienten zu spüren (den man selbst natürlich ÜBERHAUPT NICHT hat).

Irgendwie schreibe ich auch langsamer. Zumindest mache ich jetzt langsam Schluß, um mich langsam auf das Mittagessen vorzubereiten. So langsam bekomme ich nämlich Hunger ...

Kleines Intermezzo: Wahr gesprochen

“You cannot help the poor by destroying the rich.
You cannot strengthen the weak by weakening the strong.
You cannot bring about prosperity by discouraging thrift.
You cannot lift the wage earner up by pulling the wage payer down.
You cannot further the brotherhood of man by inciting class hatred.
You cannot build character and courage by taking away people’s initiative and independence.
You cannot help people permanently by doing for them, what they could and should do for themselves.”

Abraham Lincoln
16th U.S. President

13. August 2009

Super Sonic

Nein, hier geht es heute nicht um Breakdance Musik aus den späten Neunzigern, sondern schlicht und einfach um Ultraschall. Den hatte ich bisher nur bei Schwangerschaften gesehen, heute wurde damit mein Herz untersucht. Und das war eine interessante Erfahrung. Denn wenn es an die Pumpe geht, hat man irgendwie immer ein mulmiges Gefühl. Trotzdem war ich fasziniert von diesem hüpfenden Ding dort auf dem Bildschirm.

Mein Arzt speicherte viele Bilder ab, malt wichtige Marken in die Bilder, nickte bedächtig vor sich hin - und ich musste zusehen. Fragen stellten sich von ganz allein: Was sucht der gute Mann da genau? War irgendetwas an dem Langzeit-EKG nicht in Ordnung?? Schließlich platzte es aus mir raus: "Herr Doktor, gab es eine Unregelmäßigkeit beim EKG?" Er stellte mir statt einer Antwort einfach eine Gegenfrage: "Hatten sie schon mal eine Herzmuskelentzündung?"

Hatte ich nicht, aber beruhigt hat mich das nicht wirklich. Doch er hatte eine gute Begründung für die "gewissen Anzeichen" auf eine frühere Erkrankung gefunden: ich habe ja eine ganze Weile Rebif gespritzt, und so richtig vertragen habe ich es nicht. Dank der Nebenwirkungen (dreimal in der Woche ein Art Grippe) fühlte sich auch mein Herz angegriffen, und scheinbar ist es nachtragend.

Akut ist da nichts, aber erklärbar für mich sind nun die Schweißausbrüche bei Anstrengung, die ich so von früher gar nicht kannte. Der kleine Muskel hat es eben - u.a. durch die Interferone - heute etwas schwerer mit mir. Na, zum Glück muss ich nicht abnehmen oder mit dem Rauchen aufhören.

Wer sich zu viel zutraut

Es sah alles so gut aus! Seit gestern ging es mir blendend, die Laune war A+ und auch körperlich hätte ich wohl kleine Bäume ausreissen können. Außerdem stand ja Tischtennis auf dem Plan, welches ich früher sehr gern und wohl auch recht gut spielte. Da man auch das Fahrradfahren nicht verlernt, klappte es auch ordentlich und der Spaß an diesem Sport war da. Und ein wenig verausgabt hatte ich mich auch dabei. Dachte ich.

Kurze Zeit danach hieß es dann Terrain-Training. Dabei gilt es, zügig eine gewisse Wegstrecke zu absolvieren. Und da ich mich ja fühlte wie ein kleiner Chuck Norris, wählte ich die etwas längere, bergigere Strecke und lief mit den Leuten, die schon rein optisch im Training standen. Tja, the show must go on! Ich wollte es mir - und den anderen - beweisen.

Kurz gesagt, ich hatte die Rechnung ohne die MS gemacht. Schon beim zweiten Anstieg wurde das Gehen zu einer gewissen Qual, die sich im weiteren Verlauf nur noch steigerte. Und auf dem Rückweg (wohl gemerkt: bergab!) kam das "Game over". Tilt. Es ging nicht mehr. Die anderen Mitläufer kamen alle an mir vorbei, und ich versuchte krampfhaft, ein Bein vor das andere zu setzen.

Ich kam 20 Minuten nach dem letzten Teilnehmer wieder in der Klinik an, schleppte mich zum Zimmer und machte mich dort sofort nach dem Schließen der Tür auf dem Boden lang. Es ging absolut nichts mehr. Die Strecke war etwas über vier Kilometer lang und damit schätzungsweise zwei Kilometer zu lang. Scheiße.

Auf jedes Hoch folgt eben zwangsläufig wieder ein Tief.

Mit Kabelanschluß mehr erleben

Dieser Slogan der Bundespost aus längst vergangenen Zeiten schoß mir gerade durch den Kopf, als ich mir von einer freundlichen Kollegin des Diagnostikteams ein Langzeit-EKG anlegen ließ. Dazu ist zu sagen, dass das natürlich bei mir wahrscheinlich sehr sinnvoll ist, da ich meist ein Blutdruck unter NN habe und so dann später nachvollziehen kann, (Ironie ein) warum ich so ein ruhiger und gelassener Zeitgenosse bin (Ironie aus). Egal wie und warum, ich muss dieses Teil bis morgen früh mit mir rumtragen. Als Bauchschläfer freue ich mich auch schon auf die neue Erfahrung, mit dem Ding das Bett zu teilen.

Apropos Bett: meins ist ein (wohl ausrangiertes) Krankenhausbett, das a) viel zu kurz, b) viel zu schmal und c) viel zu weich ist. Außerdem ist d) das Kissen fast nicht als solches zu gebrauchen und e) gibt das gesamte Konstrukt die tollsten Geräusche bei kleinester Bewegung wieder. Kurzum: ich schlafe hier nicht gut, meist erst (wahrscheinlich vor totaler Erschöpfung) kurz vor dem Aufstehen bin ich tief in Morpheus' Armen.

Das Klinikhaus im Spessart

Nun bin ich schon ein paar Tage zur Kur, und erst heute komme ich dazu, das dazu Geschriebene hier einzustellen. Doch ich werde mich bessern :-)

Hier der erste Teil:

Man nehme: ein mehrstöckiges Gebäude in schönster Krankenhaus-Anmutung, böse und genervt schauende Angestellte an der Rezeption (die bei Kontaktaufnahme jedoch ganz freundlich sind) und jede Menge Ärzte jenseits des Rentenalters bzw. aus dem nahen und fernen Ausland. Das Ganze dann eingebettet in ein schönes Spessarttal. Fertig ist die Kurklinik in Bad Orb, in der ich seit dem letzten Dienstag residiere.

Heute also tippe ich die ersten Sätze ein, um über meinen Aufenthalt hier zu berichten. Das liegt nicht daran, dass ich zu faul war, sondern einfach an der Tatsache, dass der mobile Datenempfang hier irgendwie Vorkriegsniveau hat. Ein modernes und offenes WLAN gibt es in der Klinik natürlich auch nicht, und so werde ich ein wenig offline berichten und das Geschriebene später - bei besserer Empfängnis - online stellen.