27. Januar 2010

Fingolimod und Cladribin - Hoffnung für MS-Patienten

Wenn man wie ich selbst von Multipler Sklerose betroffen ist, hält man naturgemäß schon täglich Augen und Ohren offen, um an neue Informationen zu kommen. Und da ist es besonders schön, wenn man diese Infos auch noch frei Haus bekommt (vielen Dank, Eileen!!).

Im "New England Journal of Medicine" veröffentlichten jetzt Mediziner der Universität London die Ergebnisse von Testreihen an 1.300 Patienten. Die in verschiedene Gruppen eingeteilten Probanden erhielten entweder ein Placebo oder ein neuartiges MS-Medikament namens Cladribin. Im Vergleich zu dem Scheinpräparat senkte Cladribin über einen Zeitraum zwei Jahre das Risiko, einen Schub zu bekommen, um 55 Prozent und die Gefahr für eine Verschlimmerung der Behinderungen um bis zu 30 Prozent.

Interessant daran ist, dass nur sehr geringe, in den meisten Fällen sogar gar keine Nebenwirkungen des Medikamentes auftraten. Denn anderes wie die zur MS-Behandlung überwiegend eingesetzten Interferone (Beta-Interferon, Rebif etc.) wird Cladribin nämlich nicht gespritzt, sondern in Tablettenform verabreicht. Das erhöht auch die Verträglichkeit und die allgemeine Akzeptanz durch die Patienten.

Eine zweite Studie mit einem weiteren Medikament wurde an der Universität Basel durchgeführt. Hier umfasste die Testgruppe 1.272 Patienten. Eingesetzt wurde das neue Mittel Fingolimod, auch diese Studie lief über zwei Jahre. Auch hier konnte bei den mit dem Medikament behandelten Patienten eine um bis zu 60% verminderte Schubhäufigkeit festgestellt werden. Nebenwirkungen etc. entsprechen dem sehr niedrigen Niveau von Cladribin.

Beide Medikamente wirken an einer sehr speziellen Stelle im menschlichen Körper, nämlich direkt an den fehlgeleiteten Immunzellen, die das körpereigene Eiweiß der Myelinschicht um die Nervenbahnen angreifen. Deren Rezeptoren werden zielgerichtet blockiert und die fehlerhaften Zellen dadurch praktisch unschädlich gemacht. Das Ergebnis ist dann quasi ein Verharren der Krankheit auf dem aktuellen Stand.

Auch wenn die Ergebnisse beider Studien für uns MS-Erkrankte gut klingen mögen - zugelassen sind die Mittel bisher beide nicht. Weitere Studien sollen nun die gewonnenen Erkenntnisse bestätigen und die Einführung in die praktische Medizin beschleunigen.

Drücken wir uns also alle die Daumen, dass es nicht mehr so lange dauert!

http://de.wikipedia.org/wiki/Cladribin
http://de.wikipedia.org/wiki/Fingolimod

Keine Kommentare: