14. Januar 2010

Zeitvernichtung

Ich komme nicht gern zu spät. Ich mag es, wenn Andere zu einem Treffen rechtzeitig erscheinen. Ich liebe Pünktlichkeit.

Am Montag hatte ich zwei Arzttermine. Einer um 9 Uhr. Beim HNO-Arzt wegen der Sensibilisierung gegen Frühblüher. Ich war pünktlich und setzte mich ins Wartezimmer. Ganze zweieinhalb Minuten später war ich auch schon dran und bekam meine Spritze! Nach dieser muss ich immer 30 Minuten warten, ob sich irgendwelche Nebenwirkungen einstellen. Und pünktlich 30 Minuten später schickte mich die Schwester wieder los - ich hätte es gar nicht gemerkt, weil ich ins Lesen vertieft war. Perfekt!

Um 10 Uhr hatte ich den zweiten Termin. Beim Neurologen wegen einer meßtechnischen Geschichte an den Nerven im Arm, die wohl nur dort erledigt werden kann. Bei zwei vorhergehenden Terminen dort im Haus habe ich nicht nur ewig gewartet, sondern auch völlig umsonst. Niemand wusste dort, was er mit mir anstellen sollte.

Und so lief mein Aufenthalt dort ab: Pünktlich 09:50 Uhr war ich da und man sagte mir, es wäre nur noch eine Patientin vor mir am Gerät, dann wäre ich schon dran. Das "schon dran" passierte dann gegen 11:00 Uhr, wobei die eigentliche Prozedur lediglich 10 Minuten (wohlwollend aufgerundet) dauerte. Was hatten die nur mir der armen Frau vor mir gemacht?? Nun, sei es drum, ich sollte dann noch "einen Moment" warten, weil ich schnell zur Auswertung zum Doktor müsste.

Dieser "Moment" zog sich nun ... etwas ... dahin. Gegen 12:30 Uhr fragte ich mal nach, was denn nun sei und wann ich dran wäre. Die Schwester hilflos: "Ich weiß auch nicht, wann sie der Doktor aufruft!" Auf jeden Fall stellte ich fest, dass alle Patienten, die ihre Termine durch die Bank nach mir hatten, vor mir ins Sprechzimmer gerufen wurden.

Schließlich und endlich hörte ich meinen Namen um 13:26 Uhr durch den Lautsprecher! Und um 13:32 Uhr war ich wieder raus! Für insgesamt 16 Minuten "Behandlungszeit" verbrachte ich insgesamt 3 Stunden und 42 Minuten meiner Lebenszeit bei diesem Neurologen - hauptsächlich im Wartezimmer! Das ist Zeitvernichtung erster Klasse!

Wozu werden denn Termine vergeben, wenn sie nicht eingehalten werden? Macht man sich vielleicht mal Gedanken darüber, welcher (volks)wirtschaftliche Schaden durch diesen Umgang mit der Zeit der Menschen entsteht? Dass es auch anders geht, hat mein Besuch beim HNO-Arzt gezeigt. Obwohl ich auch dort "nur" gesetzlich Versicherter bin und kein Privatpatient.

Kann sich unsere Gesellschaft soetwas wirklich leisten?

1 Kommentar:

Julia hat gesagt…

Nein, ich denke nicht, dass sich eine Gesellschaft und vor allem ein Arzt sich sowas leisten kann und darf.

Leider ist das aber keine Ausnahme, dass man bei Ärzten so lange warten muss, ist mir auch schon öfters passiert. Und jedes Mal ist das ärgerlich.

Vielleicht ist es als Privatpatient besser, aber das wäre auch keine Lösung. Schließlich zahlen gesetzlich Versicherte ja auch Beiträge.